TCM Kongress Rothenburg o.d.T.

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Die Schule der Mitte, Gastro- und Neurogastroenterologie, Li Gao: Pi Wei Lun


2002-2 Kongressbericht

33. TCM-Kongress in Rothenburg o.d. Tauber 2002

von Christine Reist

Es war einmal mehr spannend und kunterbunt: Der Kongress in Rothenburg bietet je nach Wissensstand die Gelegenheit, sich in ein Thema zu vertiefen oder davon einen ersten Eindruck zu erhalten. Gleichzeitig bekommen Namen, die man nur von Buchumschlägen her kennt, ein Gesicht. Zum Beispiel Gunter Neeb: Der Sinologe, dessen Buch zum Thema Blutstasen kürzlich erschien, sprach unter anderem zum Thema «Erkennen von Kräuterqualität». Generell wurde erst mal davon abgeraten, in China überhaupt selber grössere Mengen Kräuter zu kaufen – die dreistesten Tricks, mit denen der tumbe Westler betrogen werden soll, brachten einen aber dann doch zum Lachen: Als Tibeter verkleidet hatte man versucht, Neeb einen notdürftig zusammengeschnurpften Fellbollen als Drüse der Moschusantilope (She Xiang) zu verkaufen. Verdächtig war auch das Gewicht angebotener Ginseng-Wurzeln – sie waren aufgeschnitten und mit einem schweren Nagel «gefüllt» worden. Die alltäglichen Methoden des Betrugs sind dann allerdings doch subtiler und richten daher weitaus mehr Schaden an. Fazit: wer sich heutzutage auf den Kauf und Import chinesischer Heilkräuter einlässt, braucht nicht nur ein immenses Wissen, sondern auch starke Nerven und muss einen unglaublichen Aufwand betreiben, um die Qualität sichern zu können. Einer, der mit Handel wenig am Hut hat, umso mehr aber an den Renaissance- Gebildeten erinnert, ist der Belgier François Ramakers (s.auch Seite xy). Sein Tages-Seminar zum Thema Lin-Syndrom zeigte auf, wie differenziert die Fachliteratur durch die Jahrhunderte das schmerzhafte Urinieren beschrieb. Zwar braucht es einiges, um die Konzepte nachher in der Praxis umzusetzen, doch lohnt sich der Aufwand allemal – das Scheitern beim Anwenden der allzu vereinfachten und statischen TCM-Leitkriterien spricht ja gerade in diesem Gebiet zuweilen eine deutliche Sprache. Sehr positiv bewertet wurden auch die sympathische norwegische Hebamme Annette Koppang, die über chronische Prostatitis und männliche Unfruchtbarkeit sprach, sowie die Holländerin Sibyll Heussen, die ein Pulsseminar nach Dr.Sheng abhielt. Die Amerikanerin Felice Dunas wirkte dagegen etwas befremdend auf manche Zuhörende – ihre detaillierten Vorschläge zum Thema erfüllte Sexualität und Qi-Fluss mögen allenfalls das US-Fernsehpublikum zum Einschalten bewegen, hören sich aber für europäische Ohren seltsam unsinnlich und gekünstelt an. Da fand Eva Mosheim-Heinrichs Kräuterspaziergang in der Umgebung des Tagungszentrums doch um einiges mehr Anklang. Westliche Kräuter ja oder nein? Das Podiumsgespräch zum Thema «Westliche Kräuter in der TCM» hätte hier anknüpfen und eine wesentliche Bereicherung sein können, doch erstens kommt es anders und zweitens als man hofft: Barbara Kirschbaum, nicht gerade als die Umgänglichkeit in Person bekannt, schwang das Schwert der Wissenschaftlichkeit und vierteilte damit Kräuterkundige, die einen solchen Ansatz derzeit zu unterrichten wagen. Insbesondere Eva Mosheim-Heinrich war Ziel von Kirschbaums Vorwurf der fehlenden Vorsicht und verfrühten Weitergabe dieser Art der Phytotherapie – angeblich ohne fundierte Grundlagen. Helmut Magel, Leiter des Zentrums, das Ausbildungen mit Mosheim anbietet und selber in diese Richtung engagiert, versuchte mehr oder weniger erfolglos, die Anwürfe zu parieren. Er wies darauf hin, dass auch die chinesischen Kräuter nicht widerspruchsfrei beschrieben würden und immer ein subjektiver Teil bei der Anwendung bleibe. Während Kirschbaum davon sprach, dass man die Chinesische Medizin «durchdrungen» haben müsse, um Kräuter in dieser Weise zu integrieren, entgegnete Magel, dass Rezepturen letztlich immer etwas Lebendiges seien und sich nicht in ein festes System einzwängen liessen. Doch auch Ramakers, der darauf hinwies, das bereits Li Shi Zhen im Ben Cao Gang Mu rund 300 neue Kräuter integrierte, die in keiner Tradition vorher auftauchten und daher wohl kaum über Jahrhunderte erforscht worden waren, fand kein Gehör. Kirschbaum blieb bei ihren Vorwürfen der Unverantwortlichkeit und meinte, in einer solchen Therapie seien PatientInnen doch wohl nichts anderes als Versuchskaninchen. Eine wichtige Diskussion Schade, kann man da nur sagen, dass Frau Kirschbaum mit derart harten Bandagen kämpfte und damit letztlich eine durchaus sinnvolle Diskussion verhinderte. Tatsächlich ist der Run auf Aus- und Weiterbildungen zum Thema Westliche Kräuter in der TCM unübersehbar. Auch die TCM-Nachrichten finden diesen Ansatz spannend und veröffentlichen in diesem Jahrgang regelmässig solche Kräuterporträts. Doch natürlich muss man auch kritische Fragen stellen dürfen: Wie kommen solche Kategorisierungen zustande, wie können sie klinisch erforscht werden und wann ist es sinnvoll, dieses neu erworbene Wissen an Lernende weiterzugeben? Statt allerdings verschiedene Meinungen von ExpertInnen über Integrationsansätze, -möglichkeiten oder -unmöglichkeiten aufzuzeigen, boten die Voten allenfalls Einblick in Grabenkämpfe und persönlichen Zwist, der eigentlich niemanden so recht interessieren mochte, so dass das Publikum bald durch Tür (und Fenster!) ins schöne Sommerwetter hinausflüchtete. Wer dennoch bis zum Schluss ausharrte, bekam doch auch einzelne interessante Voten zu hören: Der Hinweis etwa, dass chinesische Kräuter erst dann als Medikamente gelten, wenn sie durch ein aufwändiges Verfahren entsprechend präpariert worden sind, während westliche Kräuter meist einfach geerntet und dann entweder frisch oder getrocknet zur Anwendung kommen – ein Unterschied, der intensiver untersucht werden müsste. Ein Projekt, das einiges an neuen Einsichten zu bringen verspricht, wird demnächst in Berlin anlaufen: Zusammen mit François Ramakers werden Praktizierende empirische Daten über die Anwendung einzelner westlicher TCM-Formeln zusammentragen und auswerten. Materialien: Video und Audiotapes von Seminaren und Vorträgen sind zu beziehen bei AV Recording Service, Dorfstrasse 12, D-23730 Roge, www.avrecord.de. Das Buch mit einigen sehr spannenden Aufsätzen, die über das mündlich Vorgetragene hinausgehen, kostet 25 Euro und kann über die site www.tcm-kongress.de bestellt werden.

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