TCM Kongress Rothenburg o.d.T.

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Die Schule der Mitte, Gastro- und Neurogastroenterologie, Li Gao: Pi Wei Lun


2002-3 Kongressbericht

33. TCM-Kongress in Rothenburg o.d. Tauber 2002

Das mittelalterliche Rothenburg ist wieder einmal der reizvolle Rahmen für den 33. TCM-Kongress der Arbeitsgemeinschaft f. Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. gewesen. Die Mehrzahl der über 630 Teilnehmer rekrutierte sich aus den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft, womit deren Anteil auf über 50% gegenüber dem Vorjahr angewachsen ist. Entsprechend war die Atmosphäre, sowohl in den Vorträgen und Seminaren als auch im kollegialen Austausch, sehr herzlich und von einem grossen Zusammengehörigkeitsgefühl geprägt. Das größte Kontingent an ausländischen Teilnehmern kam dieses Jahr aus der Schweiz (29), gefolgt von Österreich (10) und den Niederlanden (8). Gerd Ohmstede von der Kongressleitung erwähnte im Zusammenhang mit seiner Einschätzung des Kongresses, dass eines seiner erklärten Ziele gewesen sei, möglichst viele weibliche Dozenten einzuladen, um den Beweis anzutreten, dass auch der Bereich der Lehre innerhalb der Chinesischen Medizin nicht eine exklusive Domäne der Männer sei. Tatsächlich haben Dozentinnen wie Felice Dunas, Barbara Kirschbaum, Lilian Garnier und Arya Nielsen durchweg ein grosses Publikum in ihre Vorträge und Kurse gezogen, was nur wenigen männlichen Dozenten wie Julian Scott oder Josef Müller gelungen ist. Der Rothenburger Kongress kann nicht nur auf eine ungewöhnlich lange Tradition zurückblicken, er ist mittlerweile auch aufgrund der Teilnehmerzahlen, des Angebots von Vorträgen und Seminaren und des internationalen Renomées der Dozenten zum grössten Kongress für Chinesische Medizin im Westen avanciert. Wie Lilian Garnier (USA), dieses Jahr zum ersten Mal als Dozentin in Rothenburg, enthusiastisch zum Ausdruck brachte: »My favorite conference in the world«. Als weiteres, sichtbares Zeichen der besonderen Qualität des Rothenburger Kongresses soll die Tatsache nicht unerwähnt bleiben, dass die diesjährige Edition des Textbands zum Kongress auf einen 220 Seiten starken Umfang angewachsen war, und sowohl in Form als auch in Inhalt überzeugte, wofür in diesem Jahr erstmalig der neugegründete Verlag EDITION Lingdao verantwortlich zeichnete. Die neue Kongressorganisation hat sich erfolgreich der Herausforderung gestellt, zwei räumlich voneinander getrennte Seminarzentren - die Reichstadthalle mit ihren umliegenden Seminarräumen und das Wildbad mit der Industrieausstellung, und weiteren Konferenzräumen - in ein harmonische Gesamtkonzept einzubinden. Auch das technische Niveau der Dolmetscher war durchweg exzellent. Mit grösserem Zuspruch den je haben auch die Tai Ji und Qi Gong Gruppen rechnen können. Das Wetter tat das seinige dazu! Themen des diesjährigen Kongresses waren »Schmerztherapie« und »Lin Syndrome«. Aus allen Zweigen der Chinesischen Medizin - Akupunktur, Diagnostik, Pharmakologie, Yi Jing, Qi Gong, Tuina, Feng Shui, Diätetik - war ein hochkarätiges Dozentenaufgebot bemüht, die unterschiedlichsten theoretischen wie praktischen Aspekte ihrem Publikum näherzubringen. Aus den USA kamen Ken Rose, Felice Dunas, Lilian Garnier und die in Deutschland schon bekannte Arya Nielsen. Irland war vertreten durch Michael McCarthy, aus England kamen Peter Firebrace und Julian Scott; Francois Ramakers und Prof. Sun Pei Lin aus Belgien, Stephen Birch, Ineke v. der Ham, Sybill Huessen aus den Niederlanden, Annette Koppang aus Norwegen, Rinaldo Rinaldi und Dr. Zippelius aus Italien, Prof. Zheng Yi Lin aus Chengdu. Zum deutschen Expertenteam zählten unter anderem Barbara Kirschbaum, Eva Mosheim-Heinrich, Dominique Hertzer, Ulrike Bron-Kastner, Angela Körfers, Annette Jonas, Ulla Blum, Dr. Günter Gunia, Dr. Achim Kürten, Jürgen Paschen, Dr. Ralph Raben, Prof. Norbert Lotz, Josef Müller, Gunter Neeb, Josef Weber-Blum, Nils v. Below, Andreas Noll, Udo Lorenzen, Helmut Magel, Michael Plötz, Rolf Rothe. Der Deutung, Erkennung und Behandlung von Schmerz kommt in der klinischen Praxis grosse Bedeutung zu, sofern der Schmerz nicht unterdrückt, sondern radikal, also von der Wurzel her behandelt werden soll. Während des Kongresses sind die verschiedensten Ansätze zur Diagnostik und Therapie von Schmerzuständen zur Sprache gekommen. Wie sichtbare Zeichen von Schmerz zu interpretieren sind, zeigte Lilian Garnier anhand der Gesichtsdiagnostik. Eine wesentlicher Aspekt ist die Differenzierung der Qualität der Schmerzen (Angela Körfers, Ineke v.d. Ham). Die unterschiedlichsten therapeutischen Ansätze zur Schmerzbehandlung können in der Anwendung der leitbahnbezogenen Akupunktur (Josef Müller), der sanften Behandlungsform der japanischen Akupunktur (Dr. Stephen Birch), der Behandlung der Triggerpunkte myofaszialer Ketten (Jürgen Paschen, Ineken v.d. Ham), einer adäquaten Kombination von Akupunkturpunkten (Sun Pei Lin) oder aber der Ohrakupunktur (Michael Noack) liegen. Mit dem Thema »Schmerz« ist eng die Angst vor Schmerz verknüpft. In diesem Sinne fügte sich das Seminar von Prof. Lotz mit dem Titel »Angst vor der Nadel nehmen« in das Schwerpunktthema sinnvoll ein. Er stellte ein Handlungsmodell vor, wie den Patienten erfolgreich die Scheu vor dem Akupunktieren genommen werden kann. Die therapeutischen Möglichkeiten der Pharmakologie zum selben Thema stellten Prof. Sun Pei Lin (Belgien) und Dr. Karl Zippelius (Italien) anhand der chinesischen Pharmakologie vor, während Eva Mosheim-Heinrich ausführlich auf die europäischen Heilpflanzen zur Behebung von Blut-Stase und Qi-Stagnation einging. Auch im Bereich der manuellen Therapie oder Tuina ist für die schmerzsstillende Wirkung von entscheidender Bedeutung, dass eine exakte Diagnose gestellt und die richtige Behandlungstechnik gewählt wird - diese Überzeugung teilten die Dozenten Ken Rose, Rinaldo Rinaldi, Prof. Zeng Yi Lin, Michael McCarthy, Annette Jonas und Rolf Rothe. Dem zweiten Schwerpunktthema, »Lin Syndrome« widmeten sich im besonderen Maße Annette Koppang (Norwegen), François Ramakers (Belgien) und Dr. Christian Schmincke. Bei Annette Koppang stand im Vordergrund, welche therapeutischen Möglichkeiten die Akupunktur für die chronische Prostatitis und für die zunehmend häufiger auftretende Sterilität beim Mann anbietet. Eine exzellente Ergänzung bot das Seminar von François Ramakers, der in seiner differenzierten Darstellung der Symptomatik und pharmakologischen Behandlung von urologischen Störungen unter anderem an den klassischen Texten wie der Innere Klassiker des Gelben Kaisers (Nei Jing), Über Kälteschäden (Shang Han Lun), Über die essentiellen Rezepte aus der goldenen Truhe (Jin Gui Yao Lue) oder Unentbehrliches von der Äusseren Terrasse (Wai Tai Mi Yao Fang) anknüpfte. Der Tendenz von urologischen Krankheiten zur Chronifizierung trug Dr. Schminckes Seminar Rechnung, das auf eine integrale Therapie aus Akupunktur und chinesischer Kräuterheilkunde einging. Mit grossem Interesse hatte man den Beiträgen von Felice Dunas zur Sexualtherapie in der CM entgegengeblickt. Ihre persönliche Ausstrahlung wie auch ihr zwangloser Vortragsstil verfehlten ihre Wirkung auf das Publikum im Plenum und in den Seminaren nicht. Ganz natürlich legte sie die wichtigsten Aspekte der Sexualität in der Chinesischen Medizin dar. Dabei wurde ebenso Grundsätzliches angesprochen, wie auch Fallbeispiele aus der Praxis kommentiert, um so den Therapeuten in die Lage zu versetzen, ihren Patienten Handlungsanweisungen zu geben, damit diese zu einem befriedigenden Sexualleben finden können. Den Auftakt für eine ganze Seminarreihe, die am ABZ West der Arbeitsgemeinschaft zu diesem Thema stattfindet, machte die Einführung in die Pulsdiagnostik von John Shen und Leon Hammer unter der sicheren Anleitung von Sybill Huessen. Auf dem Rothenburger Kongress wurde auch der Begriff der Tradition und Rezeption der Chinesischen Medizin im Westen diskutiert. Ken Rose, Herausgeber des COAM (Journal of »Clinical Acupuncture&Oriental Medicine«), verwies darauf, dass die Auseinandersetzung mit den Inhalten der CM ein über die Jahrhunderte andauernder, kontinuierlicher Prozess sei, an dem sich die westliche Welt konstruktiv beteiligen sollte, indem sie die klassische chinesische Literatur als Standard anerkennen und eine Terminologie nur in der Weise benutzen sollte, wie sie auch deren Bedeutung zu definieren in der Lage sei. In seiner Eröffnungsrede zum Kernkongress hob der 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Andreas Noll, die Tatsache hervor, dass sich die Chinesische Medizin in Europa weitestgehend als heilkundliches Therapiesystem etabliert hätte. Als konkrete Hinweise dafür nannte A. Noll die Initierung von Akupunkturstudien der Krankenversicherungen, die Einrichtung bzw. Planung von Lehrstühlen für Chinesische Medizin an den Universitäten und die Direktiven der EU zu den traditionellen Heilmitteln. Diese Initiativen würden eine eher wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Chinesischen Medizin mit sich bringen. Im Zuge dieser wissenschaftlichen Annäherung würden ganz zwangsläufig neue Maßstäbe an die Aus- und Weiterbildung in Chinesischer Medizin gesetzt, die sich auch in der Forderung an eine verantwortungsvolle Anwendung niederschlagen würden. Schliesslich gab er seiner Überzeugung Ausdruck, dass die AGTCM auch in Zukunft in der Lage sein werde, sich dieser Herausforderung erfolgreich zu stellen. Dass die AGTCM Grundsatzdiskussionen nicht aus dem Weg geht, zeigte sich während einer Podiumsdiskussion zur Frage, ob westliche Kräuter auf der theoretischen Grundlage der CM angewendet werden können. Bereits im Vorfeld hatte diese Fragestellung Anlaß zur Polemik gegeben und zur Bildung von zwei Fraktionen geführt. Auf dem Podium kamen Barbara Kirschbaum, François Ramakers, Dr. Wolfgang Schulz und Helmut Magel zu Wort. Den klaren Statements der Befürworter eines Einsatzes von westlichen Kräutern auf der Grundlage der CM, der geschickten Diskussionsleitung unter Nils von Below und nicht zuletzt der sehr überlegten Diskussionsbeiträge aus dem Publikum war es zu verdanken, dass die Diskussion den Bereich der persönlichen Kritik verlassen und ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden konnte. Der Versuch, diesen innovativen Therapieansatz dadurch zu diskreditieren, indem man der Gegenseite fachliche Inkompetenz vorwarf, hatte nur einen Schluss zugelassen: dass es sich nicht nur um reine Wissenschaftsdebatte handelte. Nach Auffassung der Traditionalisten ist die chinesische Pharmakologie durch jahrtausendjahrelange Erfahrung validiert, und deren klinische Anwendung weitestgehend so abgesichert, dass eine für den Patienten sichere Therapieform entstanden sei, während über die Wirkung der westlichen Kräuter kein systematisches Wissen existiere und somit auch keine Garantie über eine sichere Anwendung bestünde. Für den therapeutischen Einsatz von westlichen Kräutern aufgrund der theoretischen Grundlagen der CM gäbe es weder Kriterien noch Erfahrungen. Deshalb wäre auch noch nicht der Zeitpunkt gekommen, eine Ausbildung an den Ausbildungszentren der Arbeitsgemeinschaft anzubieten, die das Ziel hat, den Einsatz von westlichen Kräutern nach chinesischen Kriterien zu lehren. Auf der Seite der Befürworter wurde zunächst einmal die Systematik und die Einheitlichkeit der chinesischen Pharmakologie infrage gestellt, sowie die Eindeutigkeit ihrer Wirkqualitäten, die im Laufe der Jahrhunderte sehr unterschiedlich interpretiert worden seien. Es gäbe auch in der Chinesischen Pharmakologie keine »objektiv richtigen« oder »hundertprozentig sicheren« Drogen. Gerade das Ausprobieren von Drogen wäre ein wesentlicher wie legitimer Schritt zur Erfahrung ihrer Wirkungsweise und zur Bildung eines Wissensstandards gewesen (wie man am Beispiel des grossen Pharmakologen Li Shi Zhen belegen kann). Die TCM würde ein erprobtes und sehr handwerklich konzipiertes System darstellen, das einen idealen theoretischen Rahmen für die Anwendung von westlichen Kräutern böte. Auch das Publikum beteiligte sich aktiv an der Diskussion, wobei im Tenor eine eher bejahende Haltung in Bezug auf die Verwendbarkeit westlicher Kräuter zum Ausdruck kam. Tatsächlich wäre das Argument vom Mangel an Referenzliteratur nicht haltbar, hiess es, denn es gäbe genügend schriftliche und mündlich überlieferte Informationen zu den westlichen Kräutern, die man nur auswerten müsste. Die Anwendung europäischer Kräuter auf dem theoretischen Boden der CM könnte sich wiederum positiv auf den Umgang mit der chinesischen Pharmakologie auswirken. Ginge man von der Voraussetzung aus, dass die TCM bzw. die Naturheilkunde generell primär eine Erfahrungsmedizin sei, dann könnten die für die Bildung von Standards notwendigen Erfahrungen mit dem Einsatz von westlichen Kräutern nur im empirischen (klinischen) Bereich gemacht werden. Zu diesem Zweck sollten sich Studiengruppen bilden, die einzelne westliche Kräuter ausprobieren sollten, um möglichst rasch einen Erfahrungshintergrund zu schaffen. Die Debatte kam damit zu dem positiven Ergebnis, dass eine offene Diskussion geführt und vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft gefördert werden sollte, um Kriterien für die Erprobung von westlichen Kräutern festzulegen, damit diese empirische Arbeit in die richtigen Bahnen gelenkt würde. Die Vorbereitungen zum Rothenburger Kongress 2003 sind schon angelaufen. Zum Thema »Verdauungskrankheiten«, "Pi Wei Lun - Schule der Mitte" erwartet man unter anderem die Beiträge von Leon Hammer, Lilian Garnier, Jeremy Ross, Alex Tiberi, John Tindall, Stephen Birch, Heiner Frühauf und Dr. Wang Qinyu, Barbara Kirschbaum, Josef Müller, Gabriel Stux und Volker Scheid. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, soll ein Diskussionsforum in »daoistischer Form« den Kongress bereichern. Weitere Informationen auf der Webseite zum Kongress www.tcm-kongress.de oder auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft www.agtcm.de.

Claudia Skopalik Arbeitsgemeinschaft f. Klassische Akupunktur u. Traditionelle Chinesische Medizin

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